29. 9. 2010

Presseerklärung

über die Standvergabe an christliche Abtreibungsgegner auf der Jugendmesse YOU

In Berlin findet vom 1.-3. Oktober 2010 die etablierte Jugendmesse YOU statt, auf der Jugendliche von Unternehmen und Institutionen über Berufe, soziale Bewegungen und Konsumartikel informiert werden.

Mit grossen Beunruhigen mussten wir feststellen, dass dort auch organisierte Abtreibungsgegner der Aktion Lebensrecht für Alle (ALFA) einen Stand haben.

Organisationen wie ALFA fördern keine sexuelle Aufklärung, keinen Zugang zu Verhütungsmitteln oder die Anerkennung der sexuellen Selbstbestimmung als wirkungsvolle Mittel, um ungewollte Schwangerschaften zu verhindern. Sie beschränken sich allein auf die Dämonisierung der Abtreibung und, wenn auch als Fürsorglichkeit getarnt, auf die emotionale Erpressung von Mädchen und Frauen.

Die Arbeit von ALFA hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, denn sie verbreiten wissentlich falsche oder veraltete Informationen und Horrorgeschichten über Schwangerschaftsabbrüche, um Mädchen einzuschüchtern. Z.B. verteilen sie kleine Plastikpuppen, die ein Baby, das am Daumen lutscht, darstellen soll und behaupten, dass ein Embryo in der 10. Schwangerschaftswoche so aussehen würde. Dies entspricht nicht der Realität. Zudem stellen sie u.a. Unfruchtbarkeit und lebenslange Depressionen als zwangsläufige Konsequenzen eines Abbruchs dar. Das ist besonders perfide, da emotionale Probleme mit solchen Plastikpuppen und ihrer unwissenschaftlichen Behauptung, Abtreibung töte Kinder, erst ausgelöst oder verstärkt werden sollen.

Jugendliche nehmen die Anbieter der Messe als Autorität wahr und oft sind sie nicht in der Lage, deren Informationen zu überprüfen. Dies wiegt umso schwerer, da Abtreibung ein Thema ist, bei dem Mädchen emotional sehr verletzlich sind und das ihre ganze Lebensplanung beeinflussen kann.

ALFA vertritt ein fundamentalistisch-christliches Weltbild und verfolgt das Ziel des ausnahmslosen Verbots von Schwangerschaftsabbrüchen – auch bei Schwangerschaften, die durch Vergewaltigung und Inzest ausgelöst wurden oder bei Schwangerschaften, die die Gesundheit der Frau beeinträchtigen.

Dieses zutiefst undemokratische Anliegen stellen sie den Jugendlichen aber als soziales Engagement für Menschenrechte des Ungeborenen dar, ohne die Konsequenzen für Mädchen und Frauen zu erwähnen.

Es sollte offen problematisiert werden, dass eine Jugendmesse solchen Organisationen, die religiöse Demagogie wissenschaftlichen und sozialen Fakten vorzieht, aus Geldgier die Türen öffnet, um junge Leute vor Manipulation und Falschinformationen zu schützen.

Für weitere Fragen stehen wir Ihnen gerne zu Verfügung

gez.

Pro Choice Berlin

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